A

  • Ähnlichkeitsregel:

    Von Samuel Hahnemann formuliertes Grundprinzip der Homöopathie, wonach Ähnliches mit Ähnlichem geheilt werden mag (similia similibus curentur). Die Patienten werden mit Mitteln behandelt, die bei Gesunden jene oder ähnliche Symptome auslösen, wie die, an denen sie leiden.

  • Allopathie:

    Therapie mit Medikamenten, die eine der Krankheitsursache entgegengesetzte Wirkung haben (griechisch allos = anders, pathos = Leiden). Allopathie wird von Homöopathen auch als Synonym für die Schulmedizin verwendet.

  • Antihomotoxische Medizin:

    Von Dr. Hans Heinrich Reckeweg aus Baden-Baden (1905 bis 1985) aus der Homöopathie abgeleitetes therapeutisches Prinzip. Grundthese: Lebensfunktionen beruhen auf chemischen Prozessen, Krankheiten sind Ausdruck der Körperabwehr gegen Giftstoffe (Homotoxine). Es werden potenzierte Arzneimittel verwendet.

  • Arzneimittelbild:

    Wirkprofil eines Arzneimittels, die Gesamtheit aller Symptome, die ein Arzneimittel bei einem Gesunden auslösen kann. Arzneimittelbilder entstehen aus Ergebnissen von Arzneimittelprüfungen, aus toxikologischen und pharmakologischen Erkenntnissen und aus therapeutischen Erfahrungen.

  • Arzneimittelprüfung:

    Untersuchung der Effekte eines Arzneimittels bei Gesunden. Dabei werden nicht nur körperliche Veränderungen unter der Wirkung des Mittels festgehalten, sondern zum Beispiel auch psychische.

  • Arzneistoffe:

    Stoffe, die in der Homöopathie als Arzneimittel verwendet werden, sind Zubereitungen (etwa Extrakte) aus Tieren und Pflanzen, anorganische Stoffe, natürliche und synthetische organische Stoffe und Nosoden.

B

  • Bewährte Indikation:

    Ein Arzneimittel, das sich in Routinenfällen bei einem bestimmten Krankheitsbild nach der Erfahrung gut bewährt hat und mit Aussicht auf Erfolg auch ohne differenzierte Diagnostik gegeben werden kann. Bewährte Indikationen können also auch verwendet werden, ohne vorher lange repertorisieren zu müssen.

  • Biochemie:

    Für Homöopathen hat das Wort Biochemie eine andere Bedeutung als üblich. Biochemie ist für sie ein von Dr. Wilhelm Heinrich Schüßler aus Oldenburg (1821 bis 1898) aus der Homöopathie abgeleitetes Behandlungsverfahren, bei dem nur zwölf verschiedene potenzierte Mineralsalze verwendet werden, die nach Schüßlers These für den Organismus besondere Bedeutung haben. Die Biochemie wird auch als eine Art verkürzte Homöopathie bezeichnet.

C

  • Causa:

    Für Homöopathen ist Causa nicht die Ursache einer Krankheit, sondern ihr Auslöser, ihr äußerer Beweggrund, etwa Unterkühlung oder Anstrengung. Ist die Causa bekannt, kann mit Hilfe des Arzneimittelbildes oft direkt das passende homöopathische Arzneimittel gefunden werden.
    Beispiele: Folge von Anstrengung - Rhus toxicodendron (Giftsumacht).

  • C-Potenz:

    Homöopathische Arzneimittel, das bei jedem Schritt des Potenzierens im Verhältnis 1:100 (centesimal) verdünnt worden ist.

D

  • Darreichungsformen:

    Homöopathika gibt es als Tropfen, Tabletten, Globuli, Injektionslösungen, Salben, Suppositorien, ölige Externa und als Nasen- und Augentropfen.

  • D-Potenz:

    Homöopathisches Arzneimittel, das bei jedem Schritt des Potenzierens im Verhältnis 1:10 (dezimal) verdünnt worden ist.

E

  • Einzelmittel:

    Homöopathisches Präparat, das nur einen einzigen Arzneistoff enthält. Einzelmittel zu verwenden gilt als klassische Homöopathie.

  • Erstverschlimmerung:

    Vorübergehende Verschlimmerung von Beschwerden nach Gabe eines Homöopathikums. Die Erstverschlimmerung wird positiv bewertet, sie signalisiert, dass das Mittel nach der Ähnlichkeitsregel richtig gewählt ist, aber seine Dosis angepasst werden muss.

G

  • Globuli:

    Mit alkoholischen Arzneimittel-Lösungen benetzte und dann getrocknete Kügelchen aus Saccharose.

H

  • Hahnemann, Dr. Samuel:

    Begründer der Homöopathie. Geboren 1755 in Meisen, gestorben 1843 in Paris.

  • Heringsche Regel:

    Sie beschreibt den typischen Heilungsverlauf bei einer homöopathischen Behandlung, benannt nach dem Deutsch-Amerikaner Constantin Hering (1800 bis 1880): Bei chronischen Krankheiten verschwinden die Symptome von oben nach unten, von innen nach außen und in umgekehrter Reihenfolge ihres Auftretens. Mit Hilfe dieser Regel kann kontrolliert werden, ob ein gewähltes Arzneimittel anspricht.

  • Homöopathie:

    Von Samuel Hahnemann begründete Therapieform, mit der gestörte Regulationsmechanismen eines Kranken durch spezifische pharmakologische Reize positiv beeinflusst werden sollen. Sie basiert auf der Ähnlichkeitsregel (homoios = Ähnlich, pathos = Leiden). Das für einen Patienten passende Arzneimittel wird nach ausführlicher Anamnese anhand des Arzneimittelbilds ausgewählt.

K

  • Key-Note:

    Leitsymptom.

  • Komplexmittel:

    Fixe Kombinationen homöopathischer Einzelmittel. Es gibt homogene Komplexe aus Einzelmitteln gleicher Wirkungsrichtung, heterogene Komplexe aus Einzelmitteln unterschiedlicher Wirkungsrichtung, heterologe Komplexe aus homöopathischen Einzelmitteln und Mitteln der Allopathie.

  • Konstitution:

    Individuelle Veranlagung zu einer Krankheit, angeborene oder erworbene Reaktionsweise. Für unterschiedliche Konstitutionstypen gibt es nach Arzneimittelbildern das passende Arzneimittel. Um Konstitutionen zu beschreiben, werden unter anderen diese Begriffe verwendet: asthenisch (schwach, schmalwüchsig), karbonisch (verlangsamter Stoffwechsel, Drüsenunterfunktionen), skrophulös (rezidivierende Schleimhautkatarrhe, Lymphdrüsenschwellungen, Hautreizungen), asthenisch (hyperton), tuberkulinisch (Tuberkulose-Risiko, Tuberkulose in der Familie).

  • Krankheit:

    Störung von Regulationsmechanismen und Regelkreisen. Sie entsteht aufgrund der Konstitution des Patienten und/oder durch eine aus anderen Ursachen entstandene besondere Reaktionsbereitschaft.

L

  • Lateralität:

    Homöopathen sprechen von Lateralität, wenn Krankheiten bei einem Patienten gehäuft einseitig, also nur in der linken oder nur in der rechten Körperhälfte auftreten.

  • Leit-Symptom:

    Auch als Key-Note oder Schlüssel-Symptom bezeichnetes charakteristisches, eindeutiges Symptom, das den Therapeuten sofort zu einem bestimmten Homöopathikum führt. Bei Verschlimmerung durch Bewegung ist zum Beispiel Bryonia cretica indiziert, die rote Zaunrübe. Bei Verschlimmerung durch Ruhe dagegen ist Rhus toxicodendron, der Giftsumach, ein Arzneimittel der Wahl.

  • LM-Potenz:

    homöopathisches Arzneimittel, das bei jedem Schritt des Potenzierens im Verhältnis 1:50 000 verdünnt worden ist. Eine LM-Potenz wird auch als Q-Potenz (Quinquagintamillesimal-Potenz) bezeichnet.

M

  • Miasma:

    Verunreinigung, krankmachender Stoff. Nach Hahnemann gibt es drei Miasmen, die ererbt oder erworben werden: Psora (hyperge Reaktionsform), Sykose (hypererge Reaktionsform) und Syphilis (destruktive Reaktionsform).

  • Mehrglas-Methode:

    Für jeden Schritt des Potenzierens eines homöopathischen Arzneimittels wird ein neues, sauberes Glasgefäß genommen. Die Mehrglasmethode ist in Deutschland durch die rechtsverbindlichen Herstellungsrichtlinien im Homöopathischen Arzneibuch vorgeschrieben. In anderen Ländern, etwa in Frankreich, ist es auch erlaubt, alle Potenzierungsschritte in einem Glasgefäß zu machen (Einglasmethode).

  • Modalität:

    Alles, was einen Krankheitszustand verbessert oder verschlimmert, etwa Wärme, Kälte oder Bewegung.

N

  • Nosode:

    Arzneistoff aus sterilisierten Krankheitsprodukten von Tieren und Menschen, aus Krankheitserregern, deren Stoffwechselprodukten oder aus Zersetzungsprodukten von tierischem Gewebe.

O

  • Organon:

    Samuel Hahnemann Grundlagenwerk der Homöopathie. Erschienen im Jahr 1810 als “Organon der rationellen Heilkunde”, ab der zweiten Auflage als “Organon der Heilkunst”. Es umfasst 291 Paragraphen, in denen die theoretischen Grundlagen der Homöopathie dargestellt und außerdem praktische Handlungsanleitungen gegeben werden.

P

  • Potenzieren:

    Spezielles homöopathisches Verfahren zum Herstellen von Arzneimitteln, von Samuel Hahnemann entwickelt: Arzneistoffe werden stufenweise mit Lösungsmitteln, etwa mit Alkohol, verdünnt und nach jedem Verdünnungsschritt zehnmal geschüttelt. Dadurch soll sich nach Hahnemanns These eine dem Arzneistoff innewohnende besondere Kraft (lateinisch potentia) entfalten. Feste, unlösliche Arzneistoffe werden stufenweise mit zunehmenden Mengen von Laktose verrieben und so potenziert. Solche Verreibungen werden Triturationen genannt. Die durch Potenzieren entstandenen Arzneimittel werden als Potenz eines Arzneistoffs bezeichnet und fortlaufend mit der Zahl der Potenzierungsschritte nummeriert. Die Potenzen werden je nach dem Verdünnungsverhältnis, das bei den Potenzierungsschritten gewählt worden ist, mit unterschiedlichen Buchstaben gekennzeichnet. Es gibt D-Potenzen, C-Potenzen und LM-Potenzen (Q Potenzen).

  • Polychrest:

    Homöopathisches Arzneimittel mit großem Wirkungsspektrum.

Q

  • Q-Potenz:

    LM-Potenz.

R

  • Repertorien:

    Verzeichnisse, in denen einzelne Symptome von Arzneimittelbildern aufgelistet sind, also Symptome, die ein Arzneimittel bei Gesunden auslosen kann. Repertorien weisen den Weg zu dem nach der Ähnlichkeitsregel individuell passende Arzneimittel. Letztlich ist für die Auswahl des Arzneimittels aber das komplette Arzneimittelbild entscheidend. Repertorien gibt es auch als PC-Programme.

  • Repertorisieren:

    Arzneimittel mit Hilfe von Repertorien aussuchen.

S

  • Schüßlersche Salze:

    s. Biochemie.

  • Simile:

    Das individuell für einen Patienten passende Arzneimittel. Es wird ausgewählt anhand aller Symptome und Besonderheiten des Patienten. Wenn diese Symptome denen, die in einem Arzneimittelbild aufgeführt sind, entsprechen, ist das Simile mit ziemlicher Sicherheit gefunden. Zur Kontrolle wird überwacht, ob der Heilungsprozess nach der Heringschen Regel verläuft. Ist das der Fall, passt das Arzneimittel wirklich.

  • Simile-Prinzip:

    s. Ähnlichkeitsregel.

  • Symptom:

    In der Homöopathie haben zusätzlich zu organischen Krankheitszeichen gerade Besonderheiten des Patienten hohen Stellenwert, um entsprechend der Ähnlichkeitsregel das Simile zu finden. Auch solche Besonderheiten werden in der Homöopathie als Symptom bezeichnet. Es gibt zum Beispiel als-ob-Symptome (der Patient hat das Gefühl, als ob er einen Kloß im Hals hätte) oder auch paradoxe Symptome (trockener Mund, aber kein Durst).

T

  • Trituration:

    Homöopathische Arzneimittel-Verreibung. s. Potenzieren.

U

  • Urtinktur:

    Nicht potenziertes Arzneimittel, etwa ein Preßsaft aus einer Arzneipflanze. Sie gelten, obwohl nicht potenziert, als homöopathische Arzneimittel, wenn sie nach der Ähnlichkeitsregel angewendet werden.