Akupunktur

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Bedeutung des Wortes Akupunktur:

acus = die Nadel, punctura = der Stich.

Akupunktur* Die Anfänge der Akupunktur lassen sich bis ins 2. Jahrtausend v. Chr. verfolgen. Damals wurden Steinnadeln, Bambussplitter oder Fischgräten zum Stechen benutzt.

Die Akupunktur entwickelte sich wie alle frühen Heilmethoden als Erfahrungsheilkunde. Das erste medizinische Werk erschien um 26 n. Chr. mit dem Titel “Die innere Heilkunde des Gelben Kaisers” (Huang-Ti Nei Ching) (vgl. Palos 1963). In diesem Buch ist die Theorie und Praxis der Akupunktur beschrieben, wie sie heute noch im klassischen Sinn betrieben wird.

Die traditionelle chinesische Medizin ist eine streng energetische Medizin, zu der die Akupunktur gehört.

Die Kenntnis über Energien samt ihrer Verläufe, die als Meridiane bezeichneten Energie-Leitbahnen, ist eine grundsätzliche Voraussetzung im energetischen System der traditionellen chinesischen Medizin. Diese Leitbahnen verbinden das Körperinnere mit der Körperoberfläche als auch die Organe im Inneren untereinander.

Die Grundlage der Akupunktur ist die Vorstellung einer Energie (Qi), die durch den gesamten Körper fliesst. Dieser Fluss findet nicht ungeordnet statt, sondern das Qi bewegt sich in den Meridianen und durchzieht so jeden kleinsten Anteil des Körpers.

Solange das Qi in den Leitbahnen (Meridianen) ungestört fliessen kann, herrscht Gleichgewicht und der Mensch ist gesund. Wenn die Meridianen durch eine Blockade, einen Mangel oder einen Überschuss an Energie jedoch ins Ungleichgewicht kommen, resultieren aus diesem Ungleichgewicht Krankheiten. Akupunktur kann dieses Gleichgewicht wieder herstellen.

Das Stechen mit Nadeln in die Haut an schon festgelegten Punkten des Meridianverlaufes hat als Ziel die Steuerung und Stabilisierung der bipolaren Kräfte Yin und Yang, um sie ins Gleichgewicht zu bringen und Gesundheit hervorzurufen. Die Akupunktur geht davon aus, dass das Ungleichgewicht zwischen diesen beiden bipolaren Kräften die Voraussetzung dafür ist, dass Krankheiten erscheinen.

Vor einer Akupunkturbehandlung soll eine Befragung und eine körperliche Untersuchung stattfinden, um die ärztliche Diagnose festzustellen. Je nach Fall und Patient werden die Akupunkturpunkte ausgewählt. Jede Akupunktursitzung dauert ca. 30 Min., und in akuten Fällen kann mehrmals in der Woche und bei chronischen Fällen einmal wöchentlich stattfinden. Im Durchschnitt sind ca. 10 Sitzungen notwendig.

Indikationen

  • Augenerkrankungen:

    Allergien;trockenes Auge; Fehlsichtigkeit.
  • Bronchial- und Lungenerkrankungen:

    Allergien; Asthma; Erkrankung des Bronchialsystems; Pseudokrupp.
  • Gynäkologische Erkrankungen (Frauenheilkunde):

    Migräne (hormonell bedingt); Reizblase; Entzündungen am Brüsten, Eierstock, Eileiter und Gebärmutter; Schwangerschaft / Geburt; Geburtsvorbereitung; Milchbildungsstörung; Schmerzen durch Darmschnitt; Hämorrhoiden; Kaiserschnitt; Störung der Fruchtbarkeit, Libido und Menstruation; Störung der Wechseljahre / Menopause.
  • Hauterkrankungen:

    Akne; Allergien; Geschwüre; Herpes; Ekzeme; Neurodermitis; Schuppenflechte; schlecht heilende Wunden.
  • Herz-Kreislauf-Erkrankungen:

    Blutdruckstörungen; Durchblutungsstörungen; Herzrhytmusstörungen.
  • HNO-Erkrankungen:

    Allergien (z.B. Heuschnupfen); Geruchs- und Geschmacksstörungen; Reisekrankheit; Gesichtsnervlähmung (Facialisparese); Hörsturz / Tinnitus; Schwindel; Nebenhöhlenentzündungen.
  • Orthopädie:

    z.B. Wirbelsäulen- und Gelenkbeschwerden; Arthrose / Arthritis; Karpaltunnelsyndrom; Rheuma; Beschwerden an Sehnen und Bänder; Schiefhals; Nervenwürzelreizung; Morbus Bechterew.
  • Magen-Darm-Erkrankungen:

    Sodbrennen; Verstopfung; Übelkeit; Erbrechen; Morbus Chron; Colitis ulcerosa.
  • Kinderheilkunde:

    z.B. Bettnässen, Stottern, Konzentrationsstörungen.
  • Neurologie-Psychiatrie:

    z.B. Neuralgien, Schlaflosigkeit, Suchtkrankheiten, Migräne; Lähmungen nach Schlaganfall; Phantomschmerz; Trigeminusneuralgie; depressive Verstimmungen; Erschöpfungszustände; Unruhezustände; Essstörungen (Magersucht; Bulimie; Übergewicht); Suchtbehandlung (Alkohol; Drogen; Nikotin; Tabletten).
  • Urologie:

    z.B. Prostatabeschwerden, Reizblase; Entzündungen an Blase, Nieren, Nierenbecken.
  • Pulmonologie:

    z.B. Heuschnupfen, chronische Sinusitis
  • Zahnheilkunde:

    z.B. Schmerzen nach Extraktionen und als Analgesiemethode; Amalgamsanierung; Herpes; Aphten; Zahnschmerz; Kiefergelenks-Fehlfunktionen (ausstrahlende Schmerzen oder Zähneknirschen).
  • Raucherentwöhnung:

    hier ist insbesondere die Ohrakupunktur gedacht.
  • Sonstige Indikationen:

    Störungen der Immunabwehr; Schmerzen durch Tumorerkrankungen.

Relative Kontraindikationen

  • Die hormon-aktiven Punkte dürfen während der Menstruation nicht gestochen werden.
  • Unmittelbar nach grossen physischen und psychischen Anstrengungen; eine entspannende Akupunktur ist allerdings möglich.

Absolute Kontraindikationen

  • Schmerzen mit Operationsindikation (Appendizitis, Gallenblasenempyem, usw.)
  • Alle Erbkrankheiten (Gene werden durch Akupunktur natürlich nicht beeinflusst)
  • Endogene Depression, Schizophrenie
  • Kontagiöse und venerische Erkrankungen
  • Die hormonaktiven Punkte bei Schwangeren dürfen nicht gestochen werden, sehr wohl kann aber z.B. eine Ischialgiebehandlung durchgeführt werden
  • Karzinome; es kann aber Karzinom-Schmerz behandelt werden. (Vorteil: Akupunktur erzeugt keine Sucht!).

Fazit

Weltweit werden zahlreiche Erkrankungen mit Akupunktur behandelt. Die WHO hat bisher rund 40 Indikationen offiziell ausgewiesen, bei denen die Akupunktur erfolgreich angewendet werden kann. diese Anwendungsgebiete umfassen verschiedene Erkrankungen des Atemtraktes (Erkältungskrankheiten, Mandelentzündung, Bronchitis, Asthma [besonders bei Kindern]), Augenerkrankungen (Bindehautentzündung, Grauer Star), Störungen des Mundes (Zahnschmerzen, Zahnfleischentzündung), Störungen des Magen-Darmtraktes (Gastritis, Schmerzbehandlung bei Magengeschwür, Colitis, Verstopfung, Durchfall) sowie Schmerzsyndrome und neurologische Krankheiten (Kopfschmerzen, Trigeminusschmerz, Schwindel, Wirbelsäulenschmerz).

Dadurch, dass in Deutschland die Akupunktur überwiegend durch Erfolge im Bereich der Schmerzbehandlung bekannt geworden ist und hier häufig von Orthopäden oder Schmerztherapeuten eingesetzt wird, haben sich die zahlreichen anderen Anwendungsgebiete der Akupunktur noch immer nicht richtig herumgesprochen. Ausser bei den von der WHO vorgeschlagene Erkrankungen lassen sich, wie sich in der Praxis zeigt, auch Krankheiten des allergisches Formenkreis, Nervosität, Depression, Unruhe und zahlreiche andere Störungen mit Akupunktur behandeln.

Als Fazit kann gesagt werden, dass die Akupunktur ein sehr wirksames therapeutisches Mittel in der Hand des Arztes ist, falls sie korrekt durchgeführt wird. Ein Behandlungszyklus, also eine Serie von Behandlungen, dauert meist 10 Sitzungen (bei schwierigen Fälle bis 15 Sitzungen), und je nach Krankheitsbild können mehrere Zyklen erforderlich sein. Sie sollten meist bereits nach fünf Sitzungen eine Linderung ihrer Beschwerden erzielen können.